Bilaterale Ersteinschusszahlungen: die Schweiz in der pole Position?

Die Verpflichtung zum Austausch der Ersteinschusszahlung oder auch Einschussmarge (englisch: Intial Margin) ist mit FinfraG effektiv in Kraft gesetzt worden. Das Schweizer Gesetz hat die Verpflichtung zur Ersteinschussberechnung- sowie Zahlung als eine der ersten Länder in einer bereits verbindlichen Bestimmung umgesetzt. Der Nachteil dieser Umsetzung ist, dass nicht alle internationale Entwicklungen vollständig abgeschlossen sind und grosse Finanzinstitute trotzdem bereits per 1. September 2016 bereit sein sollen. In unterschiedlichen grossen Finanzinstituten sind entsprechende Projekte bereits angelaufen. Die wegweisenden Anforderungen zur Berechnung und Implementierung der Ersteinschussmargenberechnung wurden in FinfraG von BIS (The Basel Committee on Banking Supervision) und IOSCO (International Organization of Securities Commissions) im Dokument “Margin requirements for non-centrally cleared derivatives” abgeleitet. Die Verpflichtung zum Austausch von Collateral betrifft finanzielle Gegenparteien sowie grosse nichtfinanzielle Gegenparteien. Die Ersteinschusszahlung soll zukünftige Verluste im Falle eines Ausfalls der Gegenpartei abdecken, während die Nachschusszahlung die vergangenen Verluste abdeckt.

Die Berechnung der Ersteinschusszahlung für bilaterale sowie auch für zentral abgerechnete Geschäfte ist ein Bereich, in dem derzeit aktive Forschung betrieben wird.

Die Einschussmargenberechnung für CCPs ist zwar nicht in FinfraG detailliert festgelegt, sie muss aber einige übergeordnete Kriterien erfüllen:

  • Diese Sicherheiten sind mindestens so zu bemessen, dass […] Ersteinschusszahlungen eines Teilnehmers die potenziellen Kreditrisiken, die sich bei dessen Ausfall für eine zentrale Gegenpartei aufgrund der erwarteten Marktpreisveränderungen ergeben, mit hoher Wahrscheinlichkeit decken;
  • die Ersteinschusszahlungen, Nachschusszahlungen und Ausfallfondsbeiträge ausreichen, um den Verlust zu decken, der beim Ausfall des Teilnehmers, gegenüber dem die zentrale Gegenpartei die grösste Risikoposition aufweist, unter extremen, aber plausiblen Marktbedingungen entsteht. 

Die Berechnung der bilateralen Einschusszahlung hingegen ist strikter reguliert. Die Herausforderung der Berechnung des bilateralen IM besteht darin, ein universell gültiges Modell für alle Instrumente und Asset-Klassen zu finden, welches leicht zu berechnen und insbesondere auch für kleinere Gegenparteien leicht anzuwenden ist. Die Berechnung der Ersteinschusszahlung für bilaterale Verträge kann über zwei Methoden erfolgen:

  • Abschläge nach Asset-Klasse und Restlaufzeit
  • generell akzeptierte Marktmodelle (sensitivitätsbasierte Modelle)

Die Laufzeitabschläge in Prozent per Asset-Klasse und Restlaufzeit in FinfraG sind wie folgt definiert (FinfraV Art. 103):

W3Schools

Die technischen Kriterien für ein akzeptiertes Marktmodell werden von der FINMA festgelegt.  ISDA hat ein sensitivitätsbasiertes Modell SIMM entwickelt. Am 18. April 2016 wurden von ISDA weitere Details zur SIMM publiziert, welche hier einsehbar sind.

Haben sich die Gegenparteien einmal für ein Modell unter FinfraG per Asset-Klasse entschieden, dürfen sie diesen nicht mehr wechseln. Dies war eine umstrittene Klausel in FinfraG, welche bisher in anderen Regulierungen so nicht vorgesehen war. Derzeit darf also davon ausgegangen werden, das das Modell in Zukunft unter FinfraG nicht mehr angepasst werden darf, sollten sich auf dem Markt weitere sensitivitätsbasierte Modelle etablieren.